Im ersten Teil dieser Serie schrieb ich etwas über die Geschichte der Cocktails. Hier im zweiten Teil möchte ich erklären wie man sich Zuhause am besten eine kleine Bar einrichtet.

Was sollte man an Equipment haben?

Normalerweise würde man jetzt erstmal an einen Cocktailshaker oder spezielle Gläser denken. Aber meiner Meinung nach ist das Eis am wichtigsten. Mancher würde jetzt sagen dass das eine Zutat und kein Equipment ist, aber um das Eis zu machen bzw. aufzubewahren braucht man Equipment. Verabschiedet euch von dem Gedanken das ihr mit zwei Eiswürfelschälchen einen Cocktailabend betreiben könnt. Man braucht unmengen davon. Ich habe eine Schublade in meinem Eisschrank die nur für Eis gedacht ist. Das Eis selbst kann man zwar auch selbst machen aber ich kaufe mir am liebsten die Säcke im Supermarkt. Dabei immer Eiswürfel kaufen. Crushed Ice braucht man viel seltener als man denkt und dann kann man es auch aus Eiswürfeln herstellen. Auf der Bar selbst bietet sich ein Eisbehälter an um nicht ständig zum Eisschrank rennen zu müssen. Die sind in der Regel sehr gut isoliert und haben ein Tropfgitter damit das Eis nicht im Schmelzwasser liegt.

Eines der wichtigsten Werzeuge für einen Barkeeper (vorallem am Anfang) ist ein Jigger. Das ist ein kleiner, doppelsetitiger Messbecher aus Metall. Kostet fast nichts aber hilft ungemein. Die gibt es in der europäischen Version (2cl/4cl) und der amerikanischen (1oz/2oz (ca 3cl/6cl)). Man sollte wissen was für einen man hat. Zur Not reicht auch ein geeichtes Schnapsglas.

Spezielle Gläser sind natürlich cool und für manche Cocktails unerlässlich (z.b. für den Martini) aber in den meisten Fällen reichen auch ein paar Longdrink- oder Caipigläser und ein paar Whiskeytumbler. Bekommt man alles günstig im Internet oder bei Ikea.

In eine richtige Bar gehört ein Shaker und wenn man ernsthaft an Cocktails interessiert ist sollte man auch einen kaufen. Er ist aber nicht so wichtig wie viele denken. Der Shaker dient eigentlich nur dazu die Zutaten kalt zu bekommen und etwas zu verwässern. Es gibt einige wenige Cocktails bei denen man ihn tatsächlich braucht um eine bestimmte Konsistenz zu erreichen (z.B. den New Orleans Gin Fizz). Aber in den meisten Fällen könnte man die Zutaten die man shaken soll auch einfach in ein großes Glas mit Eis füllen, umrühren bis alles kalt ist und dann mit einem Sieb abseihen (das meint James Bond übrigens mit gerührt).

Solltet ihr aber wirklich einen Shaker kaufen dann bitte einen Bostonshaker und ein passendes Sieb. Hier habe ich schon mal einen Artikel über Cocktailshaker geschrieben.

Welche Spirituosen braucht man?

Ohne Spirituosen geht natürlich nichts. Leider ist die Wahl der Spirituose nicht so einfach wie man denkt. Im Supermarkt gibt es oft schlicht und einfach keine guten Spirituosen einer speziellen Sorte. Meist hat man nur die Auswahl zwischen Discountprodukt und Marktführer und oft sind beide eine Katastrophe.

Das Internet bietet inzwischen zwar eine gute Alternative aber dort ist eher das Problem dass man eine zu große Auswahl hat. Ich versuche hier ein paar Basisspirituosen aufzulisten mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Allerdings sollte diese Liste nicht als Ultimum angesehen werden sondern eher als allgemeine Empfehlung. Für manche Cocktails braucht man tatsächlich spezielle Spirituosen.

Rum

In Cocktailrezepten gibt es normalerweise drei Arten von Rum

Weißer Rum

Er hat einen milden Geschmack und dient meist eher dazu einem Drink die benötigte Menge Alkohol zu geben. Der quasi Standard hier ist der Havanna Club 3 Anejos und das auch zu recht. „Weiß“ sollte man nicht wörtlich nehmen -> Bloß keinen Bacardi kaufen. Für 2-3€ mehr bekommt man in fast jedem Supermarkt den Havanna Club und er ist um längen besser. Außerdem lässt sich daraus im Notfall auch immer ein guter Cuba Libre machen.

Dunkler Rum

Beim dunklen (oder braunen) Rum ist es schwer eine allgemeine Empfehlung zu geben. Es gibt Varianten die beinahe wie ein süßlicher Whiskey schmecken und auch so aussehen. Auf der anderen Seite gibt es fast schwarze Rums mit starkem süßem Aroma und ausgeprägtem Fasscharakter. Von daher gibt es auch Cocktails die auf dem einen oder anderen basieren und teilweise sogar einen speziellen Rum brauchen um ihre Charakteristik zu erhalten.

Ich empfehle hier den Goslings Black Seal. Den bekommt man leider selten im Laden aber im Internet für 20€+. Als Alternativen sind auch Old Pascas Dark und Meyers Original in Ordnung. Von Spiced Rums oder dem „Übersee Rum“ würde ich abraten weil sie völlig anders schmecken. Ebenfalls von helleren Sipping-Rums wie dem 7 Jährigen Havanna Club da ihr Aroma zu fein für Cocktails sind und eher pur getrunken werden sollten.

Overproof Rum

Er hat einen höheren Alkoholgehalt von 70-80% und wird oft in Cocktails eingesetzt die man anzündet. Häufig sieht man ihn mit 151 Proof gekennzeichnet, weil das in der amerikanischen Scala 75,5% Alkohol entspricht. Hier würde ich ebenfalls zum Goslings Black Seal aber in der „151“ Variante raten. Wenn man den nicht bekommt oder er einem zu teuer ist dann reicht auch der Old Pascas 73 den man in besseren Supermärkten relativ sicher findet. Bitte keinen Stroh Rum verwenden weil der ein viel zu starkes Eigenaroma hat!

Gin

Viele moderne und klassische Cocktails enthalten Gin. Hier ist es extrem schwer eine Allround-Empfehlung zu geben. Selbst beim simplen Gin Tonic kommt es sehr auf den Tonic an ob er zum Gin passt. Generell würde ich in einem Cocktail nicht allzu teueren Gin benutzen. Die potentiellen Feinheiten würden nicht durchkommen. Bei einfacherern Mischungen (z.B. Gin Tonic, Gin Soda, Gin Fizz) hingegen kann der Gin schon einen kleinen Unterschied machen. In der Bar habe ich immer einen starken und einen milden Gin stehen. Ein guter, milder Gin ist der Bombay Sapphire. Wenn man stärkeren Wachholdergeschmack braucht eignet sich Tanqueray London Dry ganz gut.

Die ganzen modernen „Premium“, „Botanical“, „Whatever“ Gins, die in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen sind, sehe ich eher skeptisch. Darunter gibt es sicher gute Produkte aber der Preis ist in den meisten fällen einfach eine Frechheit. Gin ist sehr einfach aus industriellem Alkohol hergestellt und muss nur aromatisiert werden. Wenn ich einen guten schottischen Whisky, der 12 Jahre in einem amerikanischen Eichenfass gelagert hat, für 35€ bekomme dann darf ein Gin (und selbst wenn er mit guatemaltekischem Bio-Bergenzian aromatisiert ist) nicht mehr kosten.

Wodka

Durch seinen milden Geschmack eignet er sich sehr gut um einem Cocktail, dessen Geschmack z.b. auf einem Sirup oder Likör basiert, trotzdem noch den gewünschten Alkoholgehalt zu geben. Man sollte sich hier auf jeden Fall von der 10€ Marke aufwärts bewegen. Mir ist kein Cocktail bekannt der tatsächlich Wodka Geschmack braucht, deshalb ist ein milder Geschmack von Vorteil. Smirnoff Red oder Parlament eigenen sich z.B. sehr gut für Cocktails. Außerdem sind die aromatisierten Wodkas (für die z.B. Absolut berühmt ist) eine interessante Cocktailzutat. Mir ist ein ganze Flasche aber dann meistens doch zu viel und deshalb kaufe ich sie selten.

Tequila

Muss man im Internet bestellen. Dabei auf jeden Fall darauf achten das man einen 100% Agaven Tequila kauft. Bloß die Finger von Sierra lassen. Tequila gibt es in drei Altersstufen. Blanco, Reposado und Anejo. Für Cocktails eignet sich meiner Meinung nach der Reposado am besten weil er nicht mehr so scharf wie der Blanco ist aber auch noch nicht so schwer und holzlastig wie er Anejo. Ich habe in meiner Bar den Sauza Hornitos Reposado stehen. Ein wirklich guter (aber dann auch nicht ganz billiger und für Cocktails evtl schon zu teurer) Tequilla ist der Don Julio Reposdao.

Cachaca

Es gibt außer dem berühmten Caipirinha wenige Rezepte die diese Spirituose fordern. Wer Caipi also nicht so mag kann ruhig verzichten. Wie so oft ist der Marktführer in Deutschland eine Katastrophe. Deshalb unbedingt im Internet bestellen. In Brasilien ist Cachaca unglaublich billig (2-3€ / Flasche) und deshalb bekommt man Qualitativ guten bei uns schon für 15€. Ich habe den Velho Barreiro Gold in der Bar stehen.

Whisky/Whiskey

Schwieriges Thema. Ich bin Scotch (Schottischer Whisky) trinker. Bis vor kurzem wäre ich nie auf die Idee gekommen guten Scotch in einem Cocktail zu verarbeiten. Aber Ich wurde eines besseren belehrt und es gibt tatsächlich Ausnahmen (Stichwort Islay Oldfashioned).

Nun gibt es aber den Trend zu Whiskeycocktails und einige Klassiker (hauptsächlich aus den USA) haben Whiskey als Basis. Dabei handelt es sich aber meistens um Bourbon oder Rye Whiskey.

Die waren in guter Qualität und zu einem vernünftigen Preis in Deutschland eher schwer zu bekommen. Billger Bourbon (die bekannten die mit J anfangen) sind einfach nicht gut. Besseren Bourbon und Rye (Roggen) Whiskey gab es bis vor kurzem fast nicht. Mittlerweile bessert sich das zwar, aber leider sind sie oft noch zu teuer.

Bourbons die man noch bezahlen kann sind Woodford Reserve und Knob Creek. Zur Not auch Makers Mark. Rye gibt es tatsächlich von Jim Beam (grünes oder gelbes Label) in relativ guter Qualität und zu einem vernünftigen Preis.

BTW: In Irland und den USA schreibt man Whiskey. In Schottland und Kanada Whisky.

Wermut

Ebenfalls ein sehr schweres Thema. Wermut ist ein parfümierter und verstärkter Wein und keine Spirituose. Dadurch ist er (einmal geöffnet) nicht so lange haltbar. Man braucht ihn in vielen (vorallem älteren) Cocktails. Hinzu kommt das es verschiedene Arten und viele Marken gibt.

  • Trockener Wermut (Dry) – Der berühmteste dürfte von Noilly Prat sein.
  • Süßer Wermut (Bianco) – Cinzano und Martini (nicht der Cocktail, die Firma) sind hier wohl die berühmtesten Hersteller
  • Roter Wermut (Rosso)

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung von Wermut und kaufe selten welchen. Für Martinis nehme ich aber Noilly Prat.

Triple Sec/ Curaçao

Triple Sec und Curaçao ist im Prinzip das selbe aber Triple Sec hat oft einen höheren Alkoholgehalt. Er ist ein Likör, wird in vielen Cocktails verwendet, aus Bitterorangen hergestellt und schmeckt auch danach. Berühmt sind dabei der Cointreau und die vielen farbigen Varianten von z.B. Bols (ja genau das blaue Zeug). Ich kauf eigentlich immer Cointreau und bin damit sehr zufrieden.

Welche anderen Zutaten braucht man?

Zuckersirup

Wahrscheinlich so das wichtigste was man ohne Alkohol in der Bar hat. Auch Simple Sirup (SS) oder Läuterzucker genannt. Es ist die Basis für viele Klassiker inklusive Sours und Fizzes. Theoretisch kann man es selbst herstellen aber kauft einfach eine Flasche (z.B. von Monin). Hält sich ewig und ist günstig.

Zitronensaft/Limettensaft/Limejuice

Säure ist wichtig in Cocktails und wird sehr oft durch Zitronen- oder Limettensaft erreicht. Am besten ist natürlich frisch gepresster aber auch die kleinen Direktsaft-Flaschen sind in Ordnung. Man sollte nur nicht zu Saft aus Konzentrat oder (noch viel Schlimmer) den Plastikzitronen greifen. Außerdem (und zu einem völlig anderen Zweck) sollte man eine Flasche Roses Lime Juice da haben. Viele Klassiker verlangen danach.

Bitters

Cocktailbitter waren ursprünglich als Medizin gegen Tropenkrankheiten gedacht. Sie bestehen aus Kräutern und Alkohol (sind aber keine Spirituose). Der berühmteste dürfte der Angostura Bitter sein aber inzwischen gibt es Bitters in unendlich vielen Geschmacksrichtungen. Bitters sind extrem Bitter und dürfen dahern nur in sehr kleinen Mengen (2-3 Spritzer pro Cocktail) verwendet werden. Meiner Meinung nach gibt es zwei Bitters die man da haben sollte : Angostura und Orange Bitters. Die kleinen Flaschen sind erschreckend teuer aber selbst bei häufigem Konsum dürften sie mehrere Jahre halten.

Säfte

Daran denken viele Leute zuerst wenn sie von Cocktails reden. Drei oder vier Sorten Saft (möglichst Exotisch) mit Wodka und Blue Curacao mischen. In der klassischen Cocktailbar sind Säfte zwar durchaus vertreten aber normalerweise nicht in den Dimensionen. In Tikibars hingegen sind sie durchaus wichtig.

Wenn man plant mehrere Cocktails zu machen für die man einen Saft braucht dann sollte man ihn möglichst zeitnah und in hoher Qualität kaufen.

Für den spontanten Cocktail habe ich immer ein paar kleine 200ml Fläschchen Saft in meiner Bar stehen. Normalerweise Orange, Maracuja, Ananas. Je nach dem was man gerne mag.

Limonaden/Soda

Mit „Limonaden“ meine ich zucker- und kohlensäurehaltige Getränke. Ein paar Dosen Cola und einige kleine Flaschen Spicy Ginger, Ginger Ale und Tonic schaden sicher nie und sind quasi ewig haltbar. Außerdem sollte man immer etwas Sodawasser oder alternativ stark sprudelndes Mineralwasser da haben.

Ich kaufe dabei gern die kleinen Flaschen von Tomas Henry. Man bekommt sie in guten Supermärkten und sie haben ein gutes Preis/Leistungs Verhältnis.

Einkaufstipps

In einen normalen Supermarkt zu gehen und alle Spirituosen, Sirups und Filler zu erwarten die man braucht ist relativ utopisch. Deshalb sollte man sich bereits ein paar Tage im Vorraus darum kümmern und im Internet einkaufen. Amazon liefert schnell, hat meistens einen vernünftigen Preis und inzwischen ein beeindruckendes Sortiment aufgebaut.

Sollte man trotzdem mal spontan etwas brauchen ist es am besten einen möglichst großen Supermarkt oder einen Fachhändler zu suchen. Wer kann sollte in einen Großmarkt für die Gastronomie gehen. Dort gibt es oft speziellere Spirituosen als im normalen Handel.

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