{"id":533,"date":"2017-07-03T20:14:06","date_gmt":"2017-07-03T18:14:06","guid":{"rendered":"http:\/\/h2846875.stratoserver.net\/foodblog\/?p=533"},"modified":"2019-05-12T19:26:33","modified_gmt":"2019-05-12T17:26:33","slug":"cocktails-teil-1-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/domoprojekt.de\/foodblog\/cocktails-teil-1-geschichte\/","title":{"rendered":"Cocktails Teil 1 : Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Als Hobbybarkeeper hab ich mir gedacht ich k\u00f6nnte eigentlich auch mal was \u00fcber Cocktails schreiben. Deshalb gibt es in Zukunft ab und zu Cocktailrezepte und jetzt eine allgemeine Einf\u00fchrung in mehreren Teilen. Teil 1 Besch\u00e4ftigt sich mit der Geschichte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Prinzip ist ein Cocktail nur ein Getr\u00e4nk das aus mehreren Komponenten besteht. Je nach dem mit wem man spricht kann das eine sehr gro\u00dfe Bandbreite von Erwartungen wecken. Der eine denkt dabei an eine Hotelbar mit schweren Ledersesseln, Spiegel hinter dem Tresen und bestellt sich imagin\u00e4r einen Oldfashined. Der andere denkt an eine Strandbar mit Fackeln und Tikimasken und w\u00fcnscht sich eine Pina Colada mit Ananasschnitz und Kirschdeko in der Hand. Der Dritte denkt an Wodka-Bull in einer Disko. Warum es diese verschiedenen Eindr\u00fccke gibt wird einem klar wenn man die Geschichte anschaut.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Fr\u00fcher (und damit meine ich vor 200 Jahren+) war es normal jeden Tag Alkohol zu trinken. Oft sogar zum Fr\u00fchst\u00fcck. Weil es damals noch keine Kanalisation in den St\u00e4dten gab, kam das Wasser oft aus verschmutzen Fl\u00fcssen. Es war \u00fcblich das Wasser mit Getreidebrand zu mischen um es zu sterilisieren. Gammliges Wasser und Fuselbrand waren nat\u00fcrlich geschmacklich nicht so toll.<\/p>\n<p>In der gleichen Zeit entstanden in den Apotheken die sogenannten Bitters. Hochprozentige Pflanzenextrakte die als Medizin f\u00fcr Tropenkrankheiten dienen sollten und nur tr\u00f6pfchenweise konsumiert werden konnten weil sie so bitter waren. Die medizinische Wirkung war mehr oder weniger bei Null aber der bittere Geschmack gefiel den Leuten. Man fing an das Wasser-Alkohol-Gemisch mit Bitters und Zucker zu mischen damit es besser schmeckte. Gute Kombinationen bekamen einen Namen und waren damit die ersten Cocktails.<\/p>\n<p>In der englischen Marine bekamen die Matrosen jeden Tag eine Ration Rum um das, durch die langen Schiffsreisen, umgekippte Wasser trinken zu k\u00f6nnen. \u00a0Eine Tagesration f\u00fcr einen Matrosen bestand aus 300ml 80% Jamaicarum. Jamaica war damals britisch. Rum mit Wasser (und sp\u00e4ter Tee) ist bis heute als Grog bekannt (und theoretisch ein Cocktail).<\/p>\n<p>Au\u00dferdem waren die Seefahrer dazu angehalten Zitrusfr\u00fcchte zu essen um Skorbut vorzubeugen. Dummerweise hielten die sich aber auf den langen Schiffsfahrten nicht besonders gut und waren oft faulig oder verschimmelt. Ein Erfinder namens Lauchlin Rose erfand einen Limettencordial (eine Art d\u00fcnnes Sirup) der sich viel besser lagern lassen konnte und nannte ihn Lime Juice. Er war bald Teil der Standardration bei der Marine.<\/p>\n<p>Da die Offizieren den billigen Rum nicht trinken wollten bekamen sie eine Ration teuren\u00a0Gin (\u00fcbrigens bis 1970). Lime Juice gemischt mit Gin ergibt den bis heute bekannten Gimlet. Roses Lime Juice ist immer noch eine wichtige Zutat in jeder Bar. In Indien gab es eine \u00e4hnliche Praxis. Dort wurden die englischen Soldaten dazu angehalten Tonic Water zu trinken um, durch das enthaltetene Chinin, der Malaria vorzubeugen. Bis heute ist der Gin Tonic, den die Offiziere tranken, ein Klassiker.<\/p>\n<p>In den USA war der wichtigste Alkohol der Whiskey. Um den Whiskey herum entwickelte sich eine eigene Cocktailkultur. Von dort stammen viele Klassiker wie der Oldfashioned oder der Manhattan. Mit den gro\u00dfen Einwanderungswellen brachten vorallem die Europ\u00e4er ihre eigenen Gewohnheiten und Alkoholika (z.B: Wermut oder Calvados) mit nach Amerika. Dort vermischten sich die beiden Trinkkulturen und brachten Klassiker wie den Martini oder den Sazerac hervor.<\/p>\n<p>In der Prohibition der USA (1919-1933) verst\u00e4rkte sich\u00a0durch die minderwertigen illegalen Spirituosen der Trend zu gemischten Drinks noch viel mehr. Es wurde \u00fcblich Alkohol mit andern Zutaten wie S\u00e4ften oder Honig zu mischen um den schlechten Geschmack zu \u00fcbert\u00f6nen. Der Whiskey wurde durch Gin verdr\u00e4ngt weil man den nur aromatisieren und nicht reifen lassen musste.<\/p>\n<p>Nach den 13 Jahren Proibition waren die legalen amerikanischen Brennereien l\u00e4ngst pleite und verschwunden. Gewiefte Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner sahen ihre Chance. So z.B. Rudolph Kunett der dem ehemaligen Hofbrenner des Zaren von Russland die Rechte und das Rezept f\u00fcr Smirnow Wodka abkaufte. Durch clevere Werbeaktionen versuchte Kunett den (damals recht unbekannten) Wodka zur neuen amerikanischen Spirituose zu machen. Er kooperierte mit einem Hersteller f\u00fcr Ingwerlimonade und verteilte gratis Kupferbecher an die Bars in denen der Moscow Mule (Wodka + Ginger Beer + Limette) bis heute serviert wird.<\/p>\n<p>Durch diese gesellschaftlichen Umst\u00e4nde entstanden bis zu dieser Zeit viele Klassiker die man bis heute kennt und in einer guten Cocktailbar bekommen sollte. Fast alle waren recht stark und hatten einen erheblichen Spirituosencharacter.<\/p>\n<p>In den 60er Jahren entstand mit den Tiki Bars eine Bewegung die in eine andere Richtung ging. Polinesisch angehauchte Deko (exemplarisch und namensgebend dabei die Tikimasken) und Cocktails mit viel Eis und vielen, m\u00f6glichst exotischen S\u00e4ften und Fr\u00fcchten trafen den Zeitgeist. Ausgehend von den ber\u00fchmten Trader Vics Restaurants in den USA wurden Weltweit Bars in diesem Stil er\u00f6ffnet und verhalfen Drinks wie dem Mai Tai oder der Pina Colada zu Ber\u00fchmtheit. Obwohl man Tikibars heute nicht mehr so h\u00e4ufig findet wird diese Art von Cocktails bis heute z.B. oft in mexikanischen Restaurants praktiziert.<\/p>\n<p>Anders als in den USA ging die Cocktailkultur w\u00e4hrend des zweiten Weltkriegs in Deutschland quasi verloren und kam im armen Nachkriegsdeutschland auch nicht wieder auf die Beine. Erst in den 80er Jahren wurden sie wieder entdeckt. Allerdings unterscheiden sich die &#8222;Cocktails&#8220; dieser Zeit sehr stark von den Klassikern und entsprechen eigentlich eher Longdrinks. Bacardi machte mit viel Werbung f\u00fcr den Bacardi Cola den Anfang. Es folgten viele \u00e4hnlich aufgebaute Longdrinks. Eine Spirituose, viel Saft oder Limo und Eis. Das Geschmacksprofil entsprach: S\u00fc\u00df, manchmal etwas Sauer aber niemals Bitter. Perfekt um schlechten Alkohol trinkbar zu machen und als Alternative zum Bier oder Wein zu positionieren. F\u00fcr die Bars und Spirituosenhersteller war das Modell sehr attraktiv (weil lukrativ) und ist es bis heute. Und so entwickelte beinahe jede Spirituosenmarke ihren Signaturedrink. Viele findet man heutzutage in jeder Bar und so manche Marke existiert wahrscheinlich nur noch wegen ihres Signaturedrinks. Klassische Cocktailbars hingegen (wie man sie in den USA in jedem etwas besseren Hotel findet) blieben hierzulande eher die Ausnahme und waren h\u00f6chstens in Gro\u00dfst\u00e4dten anzutreffen.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren fingen die Leute jedoch pl\u00f6tzlich wieder an guten Whiskey und Gin zu trinken. Angetrieben durch den Erfolg von Monkey 47 gab es pl\u00f6tzlich zig deutsche &#8222;Premium&#8220; Gin Hersteller. Die Bars schafften die Spirituosen an und verkaufen damit gemixte Drinks (allem voran den Gin Tonic). Die Leute waren bereit daf\u00fcr richtiges Geld auszugeben (vielleicht der einzige positive Aspekt von Hipstern). Alte Rezepte wurden herausgekramt und standen wieder auf der Karte. Die gro\u00dfen Spirituosenhersteller (die durchaus auch gute Spirituosen im Sortiment haben) sprangen auf den Zug auf und Hersteller von hochwertigen Fillern (Tonic, Soda, Ginger Ale) kamen der Nachfrage nicht mehr hinterher. Tja und pl\u00f6tzlich haben wir so etwas wie eine Cocktailkultur in Deutschland.<\/p>\n<p>Im zweiten Teil werde ich auf die einzelnen Spirituosen eingehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Hobbybarkeeper hab ich mir gedacht ich k\u00f6nnte eigentlich auch mal was \u00fcber Cocktails schreiben. Deshalb gibt es in Zukunft ab und zu Cocktailrezepte und jetzt eine allgemeine Einf\u00fchrung in mehreren Teilen. 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